
persistentium silentium
Entspannt über alle Maßen liegt ein Penner auf der Parkbank. Vermutlich hat er heute gut gegessen oder er genießt einfach nur das sonnige Wetter. „Manchmal beneide ich solche Menschen“, sagt Anton. Um glücklich zu sein, meint er, fehle ihm vor allem die Anspruchslosigkeit. Und könnte er sich von seinem Verlangen nach Status und dem Bedürfnis eine Zielgruppe der Werbemaschine zu sein einfach trennen, so wäre er bestimmt glücklicher und vor allem freier.
Natürlich gehts dem Penner im Winter, sofern er nicht weit genug in den Süden kommt, dreckig. Natürlich kann für den Penner eine einfache Sommergrippe den Tod bedeuten. Natürlich ist eine modisch ansprechende Erscheinung im Fall des Penners eher Zufall und manchmal auch Laune des Schicksals und der Wiederholung. Aber Freiheit? Wie ist denn das mit der Freiheit? Wie frei sind wir in dieser Welt? Wie frei können wir überhaupt sein?
Anton spricht nicht gerne über die Zukunft oder über die Vergangenheit. Beides, meint er, ist trostlos. Das eine, weil mit zunehmender Globalisierung das hypothetische Glück vom anderswo immer offensichtlicher ein Trugbild ist. Das andere vielleicht aus demselben Grund. In der Gegenwart soll man leben. In der Gegenwart soll man sich erfüllen. Im Hier und Jetzt soll man seine Freiheit behaupten.
Der Penner liegt auf der Parkbank und kümmert sich anscheinend nicht um solche Dinge. Vielleicht liegt er aber auch deswegen auf der Parkbank, weil er sich nicht mehr um solche Dinge kümmern will. Sollen wir an das Gute im Menschen glauben, sollen wir Optimisten bleiben und immer nur das Beste vermuten?